Streckmittel in Drogen dienen primär dazu, die Gesamtmenge einer Droge oder eines Medikaments künstlich zu erhöhen, ohne den eigentlichen – meist teuren – Wirkstoff proportional zu steigern. Sie werden als Trägermaterial oder zur gezielten Wirkungsmanipulation eingesetzt und können die gesundheitlichen Risiken erheblich erhöhen.
Grundsätzlich unterscheidet man zwei Hauptgruppen von Drogenstreckmitteln:
- pharmakologisch wirksame Streckmittel
- pharmakologisch unwirksame Streckmittel
Beide Gruppen können die Dosierbarkeit, Wirkung und Nebenwirkungen einer Substanz unvorhersehbar verändern.
Pharmakologisch wirksame Stoffe als Drogenstreckmittel
Diese Substanzen besitzen eigene medizinische oder psychoaktive Effekte. Sie werden gezielt eingesetzt, um die Wirkung einer Droge zu imitieren, zu verstärken oder zu verändern – oft mit zusätzlichen gesundheitlichen Risiken.
Diltiazem
Diltiazem ist ein Arzneistoff aus der Kardiologie und wird u. a. eingesetzt bei Erkrankungen der Herzkranzgefäße, bestimmten Herzrhythmusstörungen sowie Bluthochdruck.
Mögliche Nebenwirkungen: Schlafstörungen, depressive Verstimmungen, Schwindel, Halluzinationen.
➡ In Kombination mit Stimulanzien kann das Herz-Kreislauf-Risiko deutlich steigen.
Hydroxyzin
Hydroxyzin ist ein angstlösendes und sedierendes Medikament, das bei psychischen und somatischen Beschwerden eingesetzt wird.
Mögliche Nebenwirkungen: Schwindel, Benommenheit, Unruhe, Halluzinationen, Krampfanfälle.
➡ Kann Wahrnehmung und Reaktionsfähigkeit stark beeinträchtigen.
Koffein
Koffein wird aufgrund seiner weißen, pulverförmigen Struktur häufig als Streckmittel verwendet – insbesondere bei Heroin und Kokain.
Risiken: Erhöhter Puls, Blutdruckanstieg, Nervosität, Angstzustände.
➡ In Kombination mit anderen Stimulanzien erhöhtes Überdosierungsrisiko.
Levamisol
Levamisol ist ein Entwurmungsmittel aus der Tiermedizin und eines der gefährlichsten bekannten Streckmittel, insbesondere in Kokain.
Risiken: Schwere Blutbildveränderungen, Immunsystemschädigung, Hautnekrosen, erhöhtes Infektionsrisiko.
➡ Weltweit sehr häufig in beschlagnahmtem Kokain nachgewiesen.
Lidocain
Lidocain ist ein Lokalanästhetikum und wird eingesetzt, um das typische Taubheitsgefühl von Kokain zu imitieren.
Mögliche Nebenwirkungen: Herzrhythmusstörungen, Krampfanfälle, Schwindel.
➡ Täuscht hohe Reinheit vor, ohne den Wirkstoffgehalt zu erhöhen.
Phenacetin
Phenacetin ist ein früher eingesetztes Schmerz- und Fiebermittel mit leicht euphorisierender Wirkung. Herstellung und Abgabe sind aufgrund schwerer Nebenwirkungen verboten.
Risiken: Nieren- und Leberschäden, Blutbildveränderungen.
Procain
Procain ist ein Lokalanästhetikum, das unter anderem in der Zahnmedizin eingesetzt wird.
Mögliche Nebenwirkungen: Herzrhythmusstörungen, Krampfanfälle, Blutdruckabfall, Atemprobleme.
Pharmakologisch unwirksame Stoffe als Drogenstreckmittel
Diese Stoffe besitzen keine eigenständige psychoaktive Wirkung, werden jedoch zur Volumenvergrößerung, Konsistenzanpassung oder Kostenreduktion eingesetzt.
Glucose (Traubenzucker)
Ein Einfachzucker in kristalliner Form, mild süßlich und gut löslich.
➡ Kann Schleimhäute reizen und beim Schnupfen oder Injizieren Infektionsrisiken erhöhen.
Laktose
Milchzucker, häufig verwendet aufgrund guter Verfügbarkeit.
➡ Kann Schleimhautreizungen verursachen und bei Laktoseintoleranz zu Magen-Darm-Beschwerden führen.
Mannit (Mannitol)
Ein Zuckeralkohol, der natürlicherweise in Pilzen, Algen und Pflanzen vorkommt.
➡ Häufig in Kokain und Heroin nachgewiesen.
Warum sind Streckmittel besonders problematisch?
- Unbekannte Zusammensetzung der Substanz
- Wirkstoffgehalt nicht abschätzbar
- Unkalkulierbare Wechselwirkungen
- Erhöhtes Risiko für Überdosierungen und Organschäden
Viele medizinische Notfälle stehen nicht nur mit der Droge selbst, sondern mit den enthaltenen Streckmitteln in Zusammenhang.
Hinweis: Dieser Artikel dient der sachlichen Aufklärung und Prävention. Er ersetzt keine medizinische oder toxikologische Beratung.


